Sohrab Hura &

Bittersweet

Sohrab Hura – Gewinner des Videonale Preises der fluentum collection der VIDEONALE.17 – kondensiert in seiner neuesten Arbeit mehrere Jahre fotografischer Annäherung an ein sehr persönliches Sujet. Ausgangspunkt von Bittersweet ist die Diagnose paranoider Schizophrenie seiner Mutter, für Sohrab Hura damals zugleich auch der Beginn seiner eigenen Beschäftigung mit der Kamera als Medium. Die Eindrücke, die diese Krankheit auf seine Mutter, ihre häusliche Umgebung und auf ihn selbst hinterlassen, hält Hura in einzelnen Videosequenzen, besonders aber in fotografischen Einzelbildern fest. Über einen Zeitraum von fast 10 Jahren folgen wir dem Künstler in eine intime Welt aus psychischen und emotionalen Zuständen, die sich in Gesichtern, Gesten, Wandstrukturen, wohnlichen An- und Unordnungen, Mensch-Tier- und Mensch-Mensch-Beziehungen manifestieren. Die Bilder beschönigen nichts, erklären nichts, sind zugleich eindeutig und bleiben doch vage-distanziert. Während Hura den Betrachtenden zu Beginn noch in einem Voice-Over Fakten zur Einordnung der Bilder an die Hand gibt, wird der Hauptteil der Arbeit nur noch von elektronischen Sounds untermalt, die – suggestiv, flirrend – das fortschreitende Entgleiten seiner Mutter, das sich in den Fotografien manifestiert, begleiten. Die Sounds stehen dabei in direktem Bezug zu acht der hier zu sehenden Fotografien – sie entstanden im Rahmen eines Experiments, in dem Sohrab Hura den Zusammenhang zwischen Bildern und Sounds untersuchte. Er übersetzte die Hell-Dunkel-Nuancen der Fotografien in einzelne Notationen und entwickelte daraus mit Hilfe eines Synthesizers den elektronischen Score. Jede Notation verinnerlicht dabei den emotionalen Zustand, in dem das fotografische Bild entstand; zusammen genommen ergeben sie eine dreiteilige Soundscape, die dem Werk einen inneren Zusammenhalt und seine Struktur gibt.
Bittersweet steht damit auch stellvertretend für die künstlerische Praxis, die sich Sohrab Hura über die Jahre angeeignet hat und für die Skepsis, mit der er dieser Praxis und ihren Ergebnissen, den Bildern, immer wieder begegnet. Es ist nie das einzelne Bild, dem er in seinen Werken das ganze Vertrauen schenkt, sondern immer das Bild im Kontext weiterer Bilder, Texte oder Sounds, die erst im Zusammenklang ihre Version der Geschichte erzählen und in den Dialog mit den Betrachtenden treten. (Tasja Langenbach)

Abbildungen: Sohrab Hura, Bittersweet, 2019 © Sohrab Hura

Über den Künstler

Sohrab Hura * 1981 in Chinsurah, Westbengalen, IND, lebt und arbeitet in Neu-Delhi, IND. Studium an der Delhi School of Economics, Delhi, IND
Webseiten

Über das Werk

Länge 00:13:48

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