Cooper Battersby &
Emily Vey Duke &

Civil Twilight at the Vernal Equinox

»With cute we run the world« – wenn man diese Aussage, gesprochen von einem jungen Mädchen am Ende von Civil Twilight at the Vernal Equinox, zu Ende denkt, erschließt sich schon ein großer Teil des anderen Denkens, Fühlens und In-der-Welt-Seins, das Vey Duke & Battersby als Möglichkeit in ihrer neuesten Arbeit formulieren. Ihr Perspektivwechsel beginnt auf der Mikroebene. Wenn wir etwas ›niedlich‹ finden, sendet das Gehirn den Botenstoff Oxytocin aus, das sogenannte Kuschelhormon, das uns empathischer werden lässt und unsere sozialen Bindungen verstärkt. Wie sähe eine andere Welt aus, die von diesem Gefühl der Empathie, der gegenseitigen Liebe zwischen Menschen und Tieren, zwischen den Spezies, getragen wird? Wie würde sich unser Verhältnis zu einer weitestgehend domestizierten Natur und Umwelt verändern? Wie würden sich etablierte Kräfte- und Machtverhältnisse mit diesem Gedanken neu bestimmen lassen? Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier, Mensch und Natur, Mensch und Welt beschreiben Vey Duke & Battersby in ihren Arbeiten immer wieder als höchst artifiziell und dysfunktional, als großes Missverständnis oder auch Unvermögen des Menschen, sich wahrhaftig in das Weltengeschehen und den mystischen Kreislauf aus Leben und Tod einzuordnen. Seine Versuche, sich die Welt untertan zu machen, enden meist kläglich; sei es der Versuch der Beherrschung der Weltmeere und ihrer Spezies – »Mann erbricht sich in der Nähe eines Grauwals« –, die Vermittlung seiner Errungenschaften an andere Lebewesen – »Mädchen erklärt Pony das Internet« – und selbst die Erkenntnis der eigenen Schuld lässt ihn nicht ins Handeln kommen, sondern in der Situation verharren: »Der Mensch gibt sich selbst die Schuld und es gefällt ihm«. In ihren Anekdoten offenbaren Vey Duke & Battersby das ganze Dilemma eines aus den Fugen geratenen Selbstverständnisses, in dem sich der Mensch an der Spitze der biologischen Rangordnung verortet und nicht mehr in der Lage ist, eine produktive Verbindung mit seiner Umwelt einzugehen.
In kuriosen Environments aus Vanitas-Stillleben, eingeblendeten Textfragmenten und Schlagwörtern einer neoliberalen Sprachwelt, comichaften Zeichnungen und (Found Footage-)Videomaterial präsentieren Vey Duke & Battersby ihren Kosmos aus teils privater, teils wissenschaftlicher Forschung, aus Interaktionen mit lebenden wie toten Tieren und Pflanzen sowie alltäglichen Beobachtungen. Sie sezieren Körper und Wörter gleichermaßen, um aus den Entdeckungen ›unter der Haut‹ neue Zusammenhänge entstehen zu lassen. Es ist ein neugieriges forschendes Annähern an eine Form des Daseins in der Welt, das Nächstenliebe nicht als trivial, sondern im Sinne einer Revolution alter Gewissheiten versteht. (Tasja Langenbach)

Artist Statement
Art is for empathy, and empathy is for the reduction of suffering. At least, that’s how we always justified choosing it as our vocation.
But in recent years, we’ve encountered compelling arguments against empathy as it has been practiced by the (majority white) mid-to-high culture industry. Empathy is instrumentalized to center whiteness (the infamous white tears), or to justify cultural appropriation (Nanook of the North, Open Casket). And citing empathy as our motivation sounded self-righteous. Even the term prosocial behavior lends a normative flavor to cultural production, like we make art so that people will be on time and stop at stop signs.
One of the assertions made in this Civil Twilight at the Vernal Equinox is that virtue does not inhere to the love of animals and nature—that what we seek from those interactions is the rush we get from the way they shift our brain chemistry. Although it’s not a straight line from our growing suspicion of empathy to this notion, the link is the idea that we should kick the tires on sweetness before we swallow it. (Emily Vey Duke & Cooper Battersby)
Abbildungen: Emily Vey Duke & Cooper Battersby, Civil Twilight at the Vernal Equinox, 2021 © Emily Vey Duke & Cooper Battersby

Über die Künstler*innen

Cooper Battersby * 1971 in Penticton, British Columbia, CAN, lebt und arbeitet in New York, USA. Studium am Okanagan College, Penticton, CAN, und an der University of Illinois at Chicago, USA
Emily Vey Duke * 1972 in Halifax, Nova Scotia, CAN, lebt und arbeitet in New York, USA. Studium am Nova Scotia College of Art and Design, Halifax, CAN, und der University of Illinois at Chicago, USA
Webseiten

Über das Werk

Länge 00:13:28
Sie befinden sich hier: VIDEONALE.18 / Ausstellung - vor dem Festival / Künstler*innen / Civil Twilight at the Vernal Equinox