P. Staff &

The Prince of Homburg

»Who will protect us from our protectors? Who will police our police? Who will judge our judges? And who will release our release?«
P. Staffs The Prince of Homburg ist eine Neuinterpretation des gleichnamigen Dramas von Heinrich von Kleist aus dem frühen 19. Jahrhundert, das sich mit Zuständen der Erschöpfung und dem Schlafwandeln als Mittel zur Erreichung eines freien Willens in Zeiten des Krieges und der königlich-militärischen Rechtsgläubigkeit befasst. Staff verzichtet dabei auf die herkömmliche Struktur von fünf Akten zugunsten einer freieren Erzählung in drei Teilen (Der Prinz schlafwandelt / wird eingesperrt / soll hingerichtet werden). Mittels einer traumähnlichen Montage aus Tages- und Nachtszenen, Archivmaterial, Interviews, farb-intensiven, handgemalten Animationen, Tanzmusik, langsamen Liedern und dem betörenden Voice-Over der Schriftsteller*in, Künstler*in, Musiker*in und Astrolog*in Johanna Hedva in der Doppelrolle der Erzähler*in und des Prinzen scheint die Narration zugleich überdreht und ruhiggestellt zu sein. Staff vereint das Theatralische mit dem Essayistischen und adressiert die Traditionen der gewalttätigen Verflechtungen zwischen Souveränität, Normativität sowie dem Wegschließen und verweist auf zeitgenössische Strategien der autonomen und kollektiven Dissidenz gegen eine neoliberale und neokoloniale Ordnung. Über den Verlauf des Films kommen Verbündete und Freund*innen von Staff zu Wort: u.a. die Sängerin Macy Rodman, die über Details der Entstehung ihres Club-Tracks Lazy Girl berichtet, der sich mit hormonell bedingter Müdigkeit befasst; die Anwältin und Schauspielerin Debra Soshoux äußert scharfsinnige Beobachtungen über Gefühle, die wesentlich sind für den materiellen Körper und die Sterblichkeit des Genderausdrucks; die Schriftsteller*in Che Gosset gibt Einblicke in das System der Masseninhaftierung als Mittel der Massenauslöschung und in die Zusammenhänge zwischen abolitionistischen Kämpfen, Emotionen im Gefangensein und queerem Begehren; die Akademikerin Sarah Schulman erzählt von Beobachtungen im Kontext der AIDS-Pandemie, die Reaktionen der Community und die Politisierung der Toten.
»Das Gesetz ist ein Spiegelbild des Konsenses gegenüber der Körperpolitiken zu jedem gegebenen Zeitpunkt«, lautete Soshoux‘ impulsive Antwort als Studentin des Marinerechts auf die Aufgabe, die Regulierungssysteme zu definieren, wie sie ihn als Klimax von Staffs The Prince of Homburg wiedergibt. Staffs Werk richtet sich gegen den Konsens; es fungiert als poetischer, jedoch eindringlicher Weckruf für Queerness als dem zeitgenössischen Ort für Nicht-Fügsamkeit und Dissens. (Viktor Neumann)

Abbildungen: P. Staff, The Prince of Homburg, 2019 © P. Staff/ Courtesy LUX, London

P. Staff * 1987 in Bognor Regis, GBR, lebt und arbeitet in London, GBR, und Los Angeles, USA. Studium am Goldsmiths, London, GBR
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Über das Werk

Länge 00:23:40
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