Tekla Aslanishvili &

Scenes from Trial and Error

Bezugnehmend auf das antike georgische Reich Lazika kündigte der ehemalige georgische Staatspräsident Micheil Saakashvili im Jahr 2011 ein gleichnamiges Großprojekt am Schwarzen Meer an, das aus dem Bau einer ganzen neuen Stadt sowie eines Hafens bestehen sollte. Konkret wählte er dafür die Nähe zum existierenden Fischerdorf Anaklia. Er wählte diesen Ort trotz oder gerade wegen der unweiten Grenze zu Abchasien, einem umstrittenen Gebiet, und plante, ihn zu einem der Luxus-Urlaubsorte am Schwarzen Meer auszubauen. Auf Grund des Regierungswechsels wurde das Prestigeprojekt schnell auf Eis gelegt und im Jahr 2016 an das private Anaklia Development Consortium, ein georgisch-amerikanisches Joint Venture, übergeben. Seitdem verfolgte das Consortium die neuen Pläne, nun für eine privatisierte Smart City mit Namen Anaklia City. Die angestrebte Inbetriebnahme im Dezember 2020 konnte nach u.a. Geldwäschevorwürfen und nicht gewährten Kreditbürgschaften nicht umgesetzt werden. Vielmehr hat sich die georgische Regierung, auch wenn sie an dem Projekt offiziell weiter festhält, Anfang 2020 aus dem Vertrag mit dem Consortium zurückgezogen. Die Zukunft von Anaklia City bleibt ungewiss.
Tekla Aslanishvili begibt sich in ihrer Arbeit auf Spurensuche dieser gescheiterten Milliarden-Projekte – der futuristischen Stadt Anaklia, die nicht viel mehr vorzuweisen hat als das fertiggestellte jedoch nie eröffnete Rathaus des Architekturbüros Architects of Invention und eine Großskulptur von Jürgen Mayer H. sowie des Tiefseehafens. Dieser sollte die zentrale Rolle in der Positionierung des Landes als Transit- und Logistikknotenpunkt als Teil der sogenannten Neuen Seidenstraße spielen. Aslanishvili adaptiert dokumentarische Techniken und zeichnet in der Zusammenführung unterschiedlicher Stimmen zu diesen Bauvorhaben mit Filmaufnahmen der materiellen Überreste der verschiedenen Investitionswellen ein ambivalentes Bild.
Der gewählte Titel ihrer Arbeit ist eine direkte Bezugnahme auf den Architekten und Stadtplaner Yona Friedman, dessen Stadtraumkonzept ›Ville Spatiale‹ auch für Architects of Invention von besonderer Wichtigkeit ist. So formulierte Friedman: »I am against any preplanning. It is the trial and error process that pushes forward in any technology.«1
Scenes from Trial and Error ist Teil eines künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekts von Aslanishvili; in diesem Kontext ist auch ihre filmische Arbeit Algorithmic Island (2020) entstanden. (Lisa Bosbach)

Artist Statement
Meine experimentellen Dokumentarfilme, Videoinstallationen und Texte entstehen an den Schnittstellen zwischen Design, Geschichte und Geopolitik. Durch eine systematische Analyse der technologischen, historischen und kulturellen Dimensionen von groß angelegten Infrastrukturprojekten – wie Smart Cities und Häfen, Rohstoff- und Rüstungsindustrieflächen – dringen meine Werke in die komplexen Verflechtungen und Funktionsmechanismen globaler Wirtschaftszusammenhänge vor. Durch die fachübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Wissens- und Kulturproduzent*innen gewinne ich Distanz zu lokal und temporär begrenzten Kontexten und kann Perspektiven auf größere Zusammenhänge und Fluchtlinien einnehmen. In meiner Herangehensweise nehmen künstlerische Spekulationen eine zentrale, methodische und ästhetische Rolle ein. Die fließenden Kurven einer algorithmisch gestalteten Skulptur in einer logistischen Zukunftsstadt stehen so etwa für das Streben nach nahtloser Transportlogistik. Die Drehung von Bergbaumaschinen in peripheren Ländern deuten auf den zerstörerischen Kreislauf der deutschen und US-amerikanischen Rüstungsindustrie hin. (Tekla Aslanishvili)
1 https://www.archdaily.com/781065/interview-with-yona-friedman-imagine-having-improvised-volumes-floating-in-space-like-balloons
Abbildungen: Tekla Aslanishvili, Scenes from Trial and Error, 2020 © Tekla Aslanishvili

Über die Künstlerin

Tekla Aslanishvili * 1988 in Tbilisi, GEO, lebt und arbeitet in Berlin, GER. Studium an der Universität der Künste, Berlin, GER
Webseiten

Über das Werk

Länge 00:30:00

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