Heidrun Holzfeind &

the time is now.

Heidrun Holzfeind beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder mit moderner Architektur. Wie funktionieren aus sozialen Utopien hervorgegangene Räume im Alltag der Menschen? Wie verändert sich die Beziehung zwischen kollektiver und individueller Identität, zwischen gesellschaftlicher Normierung und Freiheit in einer Gegenwart, die zunehmend von digitalen Technologien und Medien geprägt wird?
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen findet sich auch in ihrem aus zwei Filmen bestehenden Porträt des japanischen Improvisationsduos Toshio und Shizuko Orimo namens IRO. the time is now. beleuchtet die Grenze zwischen Kunst und Leben bzw. deren Auflösung in IROs beeindruckend kompromissloser Praxis, die musikalisches Experiment, politischen Aktivismus und einen nachhaltigen Lebensstil eng miteinander verknüpft. Alles, was sie tun, ist Ausdruck einer animistischen Weltanschauung, die sich jeglicher Kommerzialisierung widersetzt.
the time is now. I zeigt eine Performance von IRO im Außenraum des Inter-University Seminar House in Hachioji bei Tokio. Der von Takamasa Yosizaka entworfene Gebäudekomplex von 1964 stellt ein herausragendes Beispiel brutalistischer Betonarchitektur dar, dem jedoch das Verständnis der systemischen Verbundenheit aller Dinge zugrunde liegt. Auf die Performance, teils mit Farbfiltern überlegt und durch Bilder der umgebenden Natur ergänzt, folgt eine Improvisation von IRO auf Klavier und Kontrabass. Das Studiokonzert kombiniert Holzfeind mit Originalaufnahmen von Protesten u.a. gegen die US-amerikanische Militärpräsenz in Okinawa und gegen die Erweiterung von Tokios internationalem Flughafen Narita sowie von IRO's letztem Punkkonzert von 1987. Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ein Jahr zuvor beschloss IRO, fortan nur noch akustische Instrumente zu verwenden.
Der zweite Film, the time is now. II, gibt Einblick in das persönliche Universum des Künstlerpaares: ihre musikalischen Wurzeln, ihre philosophischen und spirituellen Einflüsse, ihr Engagement gegen die Zerstörung des Planeten. »What we're doing is ultimately futile. But the reason we continue is not so to change the world, but so that we won’t be changed by the world«, sagt Toshio, den berühmten Satz Gandhis paraphrasierend, dass die Menschen, wenn sie sich selbst ändern, damit auch die Welt verändern können. »We don’t want to be controlled. We want to be free.« (Florian Wüst)

Artist Statement
In Videoarbeiten, Fotoprojekten und Installationen beschäftige ich mich mit Fragen des Dokumentarischen im Allgemeinen und mit Fragen nach der sozialen Funktion von Architektur und alternativen Lebenswegen abseits der Konsumgesellschaft im Besonderen; mit Strategien des Widerstands und Möglichkeiten für einen gesellschaftlichen Wandel im Bereich des Alltagslebens durch Selbstentfaltung, künstlerischen Ausdruck und gemeinschaftliche Entwicklung. Meine intensiv recherchierten und poetisch umgesetzten Arbeiten loten die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Identität, zwischen individuellen Geschichten und den politischen Narrativen der Gegenwart aus. (Heidrun Holzfeind)
Abbildungen: Heidrun Holzfeind, the time is now., 2019 © Heidrun Holzfeind & VG Bild-Kunst

Über die Künstlerin

Heidrun Holzfeind * 1972 in Lienz, AUT, lebt und arbeitet in Berlin, GER. Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien, AUT
Webseiten

Über das Werk

Länge 00:48:00
Sie befinden sich hier: VIDEONALE.18 / Ausstellung - vor dem Festival / Künstler*innen / the time is now.