Úna Quigley &

Birds of my weakness

Birds of my weakness ist die Geschichte des Emanzipationsprozesses einer Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Sie erreicht dies durch die Entwicklung psychischer Kräfte, die ihr einen Geschlechtswechsel und eine direkte Erfahrung dessen ermöglichen, was sich auf der anderen Seite befindet. Das Werk ist inspiriert von Guillaume Apollinaires Les Mamelles de Tiresias (Die Brüste des Tiresias), einem surrealistischen Drama mit feministischen und pazifistischen Elementen, das 1903 geschrieben und 1917 uraufgeführt wurde. Im Mittelpunkt des Theaterstücks von Apollinaire steht der Mythos von Tiresias, einem blinden Propheten Apollos, der innerhalb von sieben Jahren in eine Frau verwandelt wurde. In einigen Versionen des Mythos ist diese Verwandlung eine Strafe, während sie im Stück die Apotheose eines persönlichen Prozesses hin zu Bewusstsein und Unabhängigkeit ist. Die Beziehung zwischen Geschlechtsumwandlung und Hellsehen macht aus dem Protagonisten eine Figur mit einer Grenzerfahrung, die in der Lage ist, sich innerhalb der Komplexität zwischen männlich/weiblich, Blindheit/Sehen sowie dieser Welt und der Unterwelt zu bewegen.
Úna Quigley nimmt diese Geschichte als Ausgangspunkt ihres Werkes und passt sie an unsere Gegenwart an, indem sie sie mit den Worten poststrukturalistischer feministischer Autorinnen neu formuliert. In ihrem Werk nimmt die Protagonistin die Ungleichheit der Geschlechter überaus deutlich wahr und kämpft gegen die Einschränkungen, die ihr von der Gesellschaft aufgrund ihres Geschlechts auferlegt werden. Die identische Kleidung, die die Frau und ihr Mann tragen, könnte man als Hinweis darauf deuten, dass die Machtstruktur mit ihren ihr innewohnenden Diskriminierungsmechanismen trotz der langsamen und oberflächlichen Bemühungen der Gesellschaft um Gerechtigkeit immer noch sehr wirksam und dennoch nicht immer gleich sofort erkennbar ist. Die körperliche Verwandlung der Frau wird als Interaktion mit scheinbar kosmischen Kräften bildhaft vor Augen geführt, die durch runde abstrakte Formen dargestellt werden, die im Rhythmus des Wortes ›Becoming‹ (›Werden‹) aufsteigen. Am Ende dieses Vorgangs hat sie vermutlich ihre ›Birds of weakness‹ (›Vögel der Schwäche‹, also ihre Brüste) verloren. Allerdings sind die Betrachter*innen nicht in der Lage, den Unterschied in ihrem Körper zu erkennen.
Birds of my weakness betrachtet den Körper als einen Ort des Widerstands. Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus die Künstlerin die Machtstrukturen der Gesellschaft erforscht und beobachtet, wie sich Körper kollektiv im Raum verorten, um soziale Ungleichheiten widerzuspiegeln. Die Begegnung mit Caspar David Friedrichs Der Mönch am Meer (1808-1810) kennzeichnet schließlich einen Moment intimer und tiefgehender Ermächtigung: eine einsame Gestalt, die die Weite des Kosmos betrachtet und auf einen Punkt starrt, an dem Himmel und Meer zu einer Zone des Übergangs verschmelzen, die beide transzendiert. (Vanina Saracino)

Artist Statement
My work explores the body as a place of resistance, and the interstice between the domestic and the public sphere. I try to use film to explore situations that go beyond the surface to tap into the energy of bodies that clash with their surroundings. I use absurdity as a strategy in performance and film structure to create affective meaning. I am interested in the détournement and reframing of histories and works of literature as vehicles for exploring questions of feminism.
My work is devised in the home through prose writing and drawing/painting. The notion of the interstice is important to my process of filmmaking, where meaning is created through cutting, and narrative can be disrupted with feminine close-ups – footage that is gathered or performed in my everyday life. The connection between prose and performance in film is an ongoing area of exploration, a notion that Gilles Deleuze calls »flexion«, where words are expressed through the body in film. (Úna Quigley)
Abbildungen: Úna Quigley, Birds of my weakness, 2018 © Úna Quigley

Über die Künstlerin

Úna Quigley * 1974 in Dublin, IRL, lebt und arbeitet in Galway, IRL. Studium am Crawford College of Art, Cork, IRL und an der Winchester School of Art, GBR
Webseiten

Über das Werk

Länge 00:08:40
Desktop-Interview: Úna Quigley & Vanina Saracino
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