Morgan Quaintance &

South

Morgan Quaintances South ist eine verdichtete und zart-poetische Montage über die Traditionen von Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und des Community Organizings. Der in London geborene Künstler, Kurator und Schriftsteller überdenkt in drei Kapiteln das Verhältnis zwischen der kollektiven Re-Imagination von öffentlichem Raum, den antagonistischen Vorstellungen vom Privaten und Politischen sowie der Flüchtigkeit des fähigen Körpers. Verbunden durch biografische Details von Quaintance, der in beiden Städten gelebt hat, erforscht der Film die spezifischen Geschichten der antirassistischen Befreiungsbewegungen in der Chicagoer Southside im Jahr 1968 und in South London im Jahr 1986. Mittels der Zusammenführung unterschiedlicher Materialien – darunter 16mm-Zelluloid, Archiv- und Found-Footage-Aufnahmen der VHS-Ära oder Google-Street-View-Bilder – würdigt South die subjektiven und kollektiven Bemühungen um gesellschaftlichen Wandel. Der Film tut dies, indem er eine Vielzahl von historischen und aktuellen Akteur*innen zu Wort kommen lässt: Dazu gehören u.a. die Direktorin eines Community-Unternehmens, Barbara Van Praag, die Beraterin für soziale Gerechtigkeit, Lela Kogbara, die Anti-Apartheid-Aktivistin und Historikerin Christabel Gurney sowie die Bürgerrechtler*innen Peggy Terry und Hy Thurman. Das erste Kapitel von South verhandelt die Chicagoer Bewegung der 1960er Jahre und zeigt sowohl die historische Gewalt des systemischen Rassismus als auch die Herausbildung bis dato beispielloser Allianzen zwischen anti-hegemonialen Bewegungen jenseits von Zuschreibungen von Klasse und Hautfarbe in radikalisierten Zeiten auf. Dazu gehörten die First Rainbow Coalition, die von Aktivist*innen des Chicagoer Zweigs der Black Panther Party for Self Defense gegründet wurde, und die Young Patriots Organization, die von mittellosen und örtlich verdrängten weißen Jugendlichen aus dem Süden gebildet wurde. Der zweite Teil von South wird durch einen Interviewausschnitt eingeleitet, der einen Londoner Jugendaktivisten zeigt, der eindringlich bekundet, dass »Freiheit etwas ist, das man schätzen muss«. Darauf folgt eine Montage von Filmaufnahmen, die die Verbindungen zwischen der südafrikanischen Anti-Apartheid-Solidaritätsbewegung in London und den lokalen antirassistischen Kämpfen in den Vordergrund rückt, die unter anderem zum March of Freedom und einem anschließenden sechsstündigen Charity-Konzert im Clapham Common führten. Souths drittes und letztes Kapitel erweitert die Auffassungen des Privaten als gleichzeitig inhärent dem Politischen zugehörig, indem es bewusst nicht erklärte Datenbilder einer medizinischen Diagnose teilt, die den fähigen Körper als politisches Privileg sowie die Schnittstellen zwischen Politik, Theorie und (künstlerischer) Praxis verhandelt. (Viktor Neumann)

Artist Statement
In terms of my practice, the film I’m showing as part of V18 represents the definite closure of a specific period of focus. South  is a work that moves back and forth between its ostensive subject matter (liberation movements in London and Chicago) and a more impressionistic exploration of my own mortality. Formally speaking, this means the semiotic universe of the film seems to collapse into itself at points, leaving the viewer adrift from a factual anchor, which in turn invites and encourages them to rely on an intuitive and affective reaction to the sounds and images presented. 
I’m becoming increasingly interested in those moments of collapse, specifically in relation to narrative construction or biographical exploration. And so, although I will always resist tying my practice to a reoccurring set of static concerns (like conflict, time or identity, for example), I can definitely say that this affective territory of shifting symbolic significance, and the formal possibilities that it seems to be opening up, are where my work is heading to next.  (Morgan Quaintance)
Abbildungen: Morgan Quaintance, South, 2020 © Morgan Quaintance

Über den Künstler

Morgan Quaintance * 1979 in London, GBR, lebt und arbeitet in London, GBR. Studium am London College of Communication, London, GBR, und dem Royal College of Art, London, GBR
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Über das Werk

Länge 00:28:15
Sie befinden sich hier: VIDEONALE.18 / Ausstellung / Künstler*innen / South