VIDEONALE.18

FESTIVAL FÜR VIDEO UND ZEITBASIERTE KUNSTFORMEN
FLUID STATES. SOLID MATTER

VIDEONALE.18 DIGITAL

Ausstellung: 4. März bis 18. April 2021 im Kunstmuseum Bonn

Eröffnungstag: 3. März 2021, ab 11 Uhr

Preisverleihung: 5. März 2021, 20 Uhr

Vom 3. - 7. März 2021 streamen wir Werke der VIDEONALE.18 (Zugang ab dem 3. März, 11 Uhr über diese Webseite; Streaming-Gebühr 7 Euro).
Ab dem 3. März 2021 um 11 Uhr schalten wir zahlreiche Inhalte zur Ausstellung für euch frei. Freut euch auf:

  • Ausstellungsrundgänge mit der künstlerischen Leitung und der Ausstellungsarchitektin
  • Desktop-Selfies, kurze Präsentationen der VIDEONALE.18 Künstler*innen
  • Desktop-Interviews, längere Videointerviews zwischen den Künstler*innen und der Videonale-Jury/dem Videonale-Team

Die Themensetzungen vergangener Videonale-Ausgaben spiegelten mit „The Call of the Wild“ VIDEONALE.15, „PERFORM!“ VIDEONALE.16 und „Refracted Realities“ VIDEONALE.17 Gesellschaft in ihren egozentrisch eskapistischen Phänomenen. Wohin denken wir von hier aus weiter? Unter dem Titel „Fluid States. Solid Matter“ öffnet die VIDEONALE.18 mit 31 aus rund 1.900 Einsendungen ausgewählten Werken einen Referenzraum für ein Nachdenken über eine sich verändernde Welt, in der soziale, politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge neu bewertet werden und Ordnungen sich in komplexen Dynamiken neu konstituieren.

Auf welcher Grundlage leben, denken und handeln wir heute? Und wie gestalten wir eine Grundlage für die Zukunft? Gängige westliche anthropozentrische und im Lauf der Geschichte auf weite Teile der restlichen Welt übertragene Konzepte − von den Menschenrechten über die Idee des Eigentums bis hin zur Begründung von Nationalstaaten – gründen sich auf der Annahme eines souveränen Individuums, eines festen und autonomen Körpers, mit klarer Kontur und klarer Abgrenzung zu seiner Umwelt. Aber wie wandelt sich dieser Körper, unsere Wahrnehmung desselben und damit seine Platzierung in der Welt, wenn wir ihn als fluiden Körper denken, der im ständigen Austausch mit anderen Körpern und mit seiner menschlichen, natürlichen und mehr-als-menschlichen Umgebung steht. Die Idee der „Bodies of Water“ (Astrida Neimanis) verflüssigt nicht nur die Idee einer klaren Trennbarkeit von Mensch und Natur, sondern weicht auch viele andere bislang gültige Hierarchien und Grenzziehungen auf und gibt Raum für das Nachdenken über neue komplexere Bezugssysteme, in denen wir uns gemeinsam mit unseren Körpern bewegen.

Wenn wir diesen Zustand des Fluiden als Grundlage für ein zukünftiges Zusammenleben annehmen, welche neuen Formen der sozialen, politischen, ökologischen und ökonomischen Ordnung sind dann denkbar? Ausgehend von oft sehr konkreten Orten, Dingen oder autobiografischen Konstellationen stellen die 31 Positionen der VIDEONALE.18 Überlegungen an, wie sich die Verflüssigung festgefügter Konstellationen – solid matter – in fluid states – neue durchlässigere Zustände – auf unser In-der-Welt-sein auswirken könnte. Mit ihren Modellen und Gedanken zeigen sie auf, dass die Gestaltung von Zukunftsutopien nicht durch Ausschluss und Abgrenzung, sondern durch das Schmieden neuer Allianzen und Solidaritäten möglich wird.

In Resonanz auf die künstlerischen Positionen formt die VIDEONALE.18 fluide Räume in der Ausstellung sowie dem Festival- und 6-wöchigen Begleitprogramm und gestaltet sie mit Gesprächen, Präsentationen, Workshops, Performances und partizipativen Formaten zu einem Forum von Austausch und Dialog. Dafür senden wir live und in Farbe aus dem Kunstmuseum Bonn, umfasst von einer Ausstellungsarchitektur, die die Idee von „Fluid States. Solid Matter“ im Raum inszeniert.

Künstler*innen VIDEONALE.18:
Paula Ábalos | Tekla Aslanishvili | Cooper Battersby & Emily Vey Duke | Eliane Esther Bots | Viktor Brim | Adam Castle | Eli Cortiñas | Mouaad el Salem Mahdi Fleifel | Ellie Ga | Beatrice Gibson | Russel Hlongwane | Heidrun Holzfeind | Che-Yu Hsu | Sohrab Hura | Ida Kammerloch | Michael Klein & Sasha Pirker | Michelle-Marie Letelier | Dana Levy | Anne Linke | Lukas Marxt & Michael Petri | Bjørn Melhus | Ana María Millán | Morgan Quaintance Úna Quigley | Aykan Safoğlu | P. Staff | Rhea Storr | Ingel Vaikla | Ana Vaz | Gernot Wieland

RAUM A
SOHRAB HURA | ÚNA QUIGLEY | ELIANE ESTHER BOTS | ADAM CASTLE | DANA LEVY | MAHDI FLEIFEL

Menschen, Körper, Systeme in der Krise. In diesem Raum versammeln sich Arbeiten von sechs Künstler*innen, die fragen, wie sich krisenhafte Zustände — Krankheiten, Pandemien, Kriege — auf unseren innerlichen emotionalen wie äußerlichen sozialen Zusammen¬halt auswirken. Schnell wird deutlich: es geht nie nur um die*den Einzelne*n.

RAUM B
MICHELLE-MARIE LETELIER

Ist es möglich, eine klare Grenze zwischen uns und den Lebewesen, die wir züchten, um sie später zu verzehren, zu ziehen? Wie verwoben sind unsere jeweiligen Körper, Geschichten und Mythologien?

RAUM C1+C2
TEKLA ASLANISHVILI
VIKTOR BRIM
ANA VAZ

Macht euch die Erde untertan. Diesen Schöpfungsauftrag hat die Menschheit zu oft falsch verstanden, nicht im Sinne von »bebaue und bewahre«, sondern von »unterjoche und forme die Welt nach Deinem Antlitz«. Über die Folgen einer absoluten, exklusiven und extraktiven Weltanschauung berichten die Werke von Tekla Aslanishvili und Viktor Brim in diesem Raum sowie im anschließenden Mikrokino mit einem Film von Ana Vaz.

RAUM D
EMILY VEY DUKE & COOPER BATTERSBY | RUSSEL HLONGWANE HEIDRUN HOLZFEIND | MICHAEL KLEIN & SASHA PIRKER | AYKAN SAFOĞLU

Wie können wir mit unserer menschlichen und mehr-als-menschlichen Umgebung neu in Beziehung treten? Wie könnte eine Welt aussehen, wenn wir uns aus gängigen Konstellationen von Macht und Hierar¬chie verabschieden und in solidarischem Miteinander zusammenleben. Während Emily Vey Duke & Cooper Battersby sich dieser Frage über eine Neubetrachtung des Mensch-Tier-Natur-Verhältnisses annähern, entwirft Russel Hlongwane ein spekulatives Szenario unter Rückgriff auf kosmologische, folkloristische und technowissenschaftliche Wissenswelten. Die Protagonisten in den Werken von Heidrun Holzfeind, Michael Klein & Sasha Pirker sowie Aykan Safoğlu gestalten hingegen konkrete Architekturen und Aktionen, um ihre Ideale in neue Realitäten zu überführen.

RAUM E
MOUAAD EL SALEM | BEATRICE GIBSON | MORGAN QUAINTANCE P. STAFF

In Fortsetzung zu Raum D versammeln sich in diesem Raum vier Werke, in denen der Körper als politisches Konstrukt und Medium im Mittelpunkt steht. Wenn wir über die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit bestimmter Körper innerhalb einer Gemeinschaft sprechen, beschreiben wir zugleich immer auch ein ganzes gesellschaftliches und politisches System, das diese (Un)Sichtbarkeiten als Teil des eigenen Selbstverständnisses installiert. Jedes dieser Werke erzählt über Aktionen der Selbstermächtigung marginalisierter, bislang unsichtbarer Körper, mit dem Ziel, bestehende Systeme zu verändern.

RAUM F
RHEA STORR | ANA MARÍA MILLÁN | CHE-YU HSU | GERNOT WIELAND | ANNE LINKE | BJØRN MELHUS

Auch die Werke in diesem Raum knüpfen an die Erzählungen der vorhergehenden Räume an. Wir erleben Momente der Selbstermächtigung — über die Wiederaneignung von kulturellen Praktiken wie bei Rhea Storr oder den Einsatz digitaler Techniken zur Konstruktion neuer eigener Körperbilder wie bei Che-Yu Hsu oder Anna María Millán — und Momente des men¬schlichen Kontrollverlusts — wie in den Werken von Bjørn Melhus, Gernot Wieland und Anne Linke —, die ebenfalls einen Perspektivwechsel einleiten. Wie sind wir hierhin gekommen, wo befinden wir uns eigentlich und wie gehen wir weiter?

RAUM G
INGEL VAIKLA | ELI CORTIÑAS | PAULA ÁBALOS

Es gibt zahlreiche Zwänge, in die wir uns mit unseren Körpern begeben. Eine Konstellation, die uns alle gleichermaßen betrifft, ist der Zwang zur Produktivität im Rahmen einer Erwerbsarbeit. Wie sich dieser Broterwerb in unsere Körper einschreibt und uns zugleich politisch vereinnahmt, berichten die Werke in diesem Raum mit Hilfe sehr unterschiedlicher künstlerischer Erzählweisen.

RAUM K
ELLIE GA | IDA KAMMERLOCH

Während Ellie Ga die Geschichten erzählt, die als globales Treibgut durch die Weltmeere treiben, recherchiert Ida Kammerloch in der weltweiten Bilderflut des Netzes über ihre Protagonistinnen. Welche neuen Perspektiven eröffnen sich durch diese oft assoziativen Neuverknüpfungen zwischen Spuren, Objekten und Körpern?

RAUM H
LUKAS MARXT & MICHAEL PETRI

»Ich würde nur Gelder an einen Planeten geben,
der uns länger leben lässt und nicht weniger leben.
Und schönes Leben sag ich, feines Leben.
Realistisches Leben auch.
Wir haben einen Neustart —
Neustart fängt bei Null an, alle vorhandenen
Lebewesen versuchen nochmal geboren ein besseres
Ergebnis zu erreichen, weil —
schlechter unerwünscht.
Schlechter unerwünscht für den Wettbewerber schon.
Ganz ehrlich —, ich weiß nicht, ob ich diesen
Wettbewerb fortsetzen wollen würde, wenn die
Menschheit so bleibt.
Ob für immer leben dann noch funktioniert, wie schön
das Leben dann noch ist, muss ich mir noch mal
angucken, was dann passiert.«
— RALF Ralfs Farben_Hüllenwerk

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